Aus der Zeit einer Küsterin ohne Gottesdienst

Aus der Zeit einer Küsterin ohne Gottesdienst


# Neuigkeiten
Veröffentlicht von Büro Team am Donnerstag, 16. April 2020, 00:00 Uhr
© Pixabay

Von Susanne Dühr. Die Kirche ist geschlossen, der Kirchraum leer. Vorbereitungen für Gottesdienste sind nicht nötig. Keine Blumen, die bestellt werden müssen, keine Absprachen mit den diensthabenden Pfarrern und Pfarrerinnen. Der Kirchraum muss nicht vorbereitet werden. Keine Lieder werden gesteckt, keine Kerzen angezündet, keine Tische werden gedeckt, kein Kaffee gekocht. Die Glocken läuten automatisch, sie rufen uns nicht zusammen zum Gottesdienst, aber sie erinnern uns, jeden Mittag um 12 Uhr und am Abend um 19.30 Uhr. Zu beten, still zu werden und Inne zu halten. So entsteht eine Verbindung, die tröstet.

Irgendwann ist auch in einer menschenleeren Kirche alles aufgeräumt, aussortiert und für die Zeit danach vorbereitet. Was tun?

Für mich war sehr schnell klar, die Kolleginnen und Kollegen in der Seniorenarbeit zu unterstützen. Ich gehe einkaufen für Menschen, die sich aus unserer Gemeinde, aber auch über die Hotline der Stadt melden. Im Pestalozzihaus wird diese Arbeit mit sehr viel Einsatz koordiniert. Ich spreche mich ab, habe dort vorübergehend für unsere Gemeindeschwester eine Telefonvertretung übernommen. Ich halte Kontakt zu Menschen, die ich aus den Gottesdiensten kenne, zum Beispiel mit Postkarten zu Ostern. Das Durchleben dieser Zeit bringt andere Dinge ins Bewusstsein. Ob es die Schlange beim Einkauf ist, die uns gerade hier in der Stadt in eine Entschleunigung bringt, die auch gut tun kann. Der wenige Verkehr auf der Straße, der mich beim Rad fahren so freut. Auch die freundliche Bitte beim Filialleiter im Rewe, um nach drei Wochen doch eine Packung Toilettenpapier für die Seniorin zu bekommen, die er mir aus dem Lager holt und dabei von den unfassbaren Hamsterkäufen anderer Menschen berichtet. Oder das freundliche Winken der Seniorin, wenn sie mich unten auf der Straße, neben dem Fahrrad, stehen sieht. Freundliche Kartengrüße, Mails und Anrufe, die mich vor Ostern erreichten. Kirchenmusik von unseren Kantoren, die trösten, erfreuen und eine wunderbare Verbindung schaffen. Unterschiedlichste Online-Angebote, TV-Gottesdienste, auch unser neuer Newsletter. Ein wunderbarer Gottesdienst mit den Nachbarn vom Balkon und Hof am Ostersonntag-Abend. Das allabendliche Balkonsingen um 19 Uhr. Inzwischen kann ich die sieben Strophen „ Der Mond ist aufgegangen“ fast auswendig. Das erleichtert das Durchleben und macht es zu einem Erleben.

Ich freue mich auf die Zeit, wo wir uns wiedersehen, im Gottesdienst, in Veranstaltungen, in Gruppen und in Konzerten. Zu Amtshandlungen und vielem mehr. Ich freue mich, alle Mitarbeitenden wieder persönlich zu treffen, freue mich über einen Händedruck und über eine Umarmung. Freue mich auf das gemeinsame Singen, beten und hören im Gottesdienst und die gemeinsamen Gespräche.

Bleiben Sie und Ihr alle behütet und gesegnet. Gott befohlen und bis bald.

Kommentare

Irmgard L.
Danke für die Unterstützung und den ganzen Einsatz. Es tut gut, dass Sie da sind!