Lokal handeln ….

Lokal handeln ….


# Aus dem Pfarrteam
Veröffentlicht von Elisabeth Schwab am Dienstag, 28. April 2020, 00:00 Uhr
© elisabeth schwab

Von Elisabeth Schwab. Wir hocken im wahrsten Sinne des Wortes aufeinander. Die Nachbarschaft erfährt gerade eine neue Bedeutung, weil ziemlich viele von uns gleichzeitig zu Hause sind. Wir erleben, dass die Kontaktbeschränkung uns zurück wirft auf die eigenen vier Wände, die Straße, auf der wir leben, oder den Park vor der Tür. Menschen, denen wir vorher gelegentlich im Vorbeigehen zugenickt haben, kennen wir nun mit Namen. Ja haben sogar Telefonnummern oder E-Mail-Adressen ausgetauscht.  Eine Welle der Solidarität erreicht Ältere, Menschen mit einer Risiko-Vorerkrankung sowie Mitbürgerinnen und Mitbürger, die allein sind und Unterstützung der Gemeinschaft benötigen. Lokal bilden sich Netzwerke. Kleine Zettelchen im Hausflur, die Nachbarn auffordern Hilfsbedarf zu äußern, Kreidebotschaften auf dem Bürgersteig, Musik vom Balkon … Es ist doch erstaunlich, dass so viele Menschen Verantwortung für Dinge übernehmen, für die sie sich unter normalen Umständen nicht zuständig fühlen und es ja auch nicht sind – zum Beispiel für das Nähen von Masken. Die Antennen sind ausgefahren und viele tun das, was sie können: Klopapier-Pakete teilen, Essen bestellen bei dem Restaurant in der Nachbarschaft, Blumen kaufen und verschenken, Lesestoff in der kleinen Buchhandlung bestellen …

Viele von uns gestalten das Zusammenleben mit. Zusammen zu stehen, sich zu helfen und zu stärken, das ist ein allgemein menschliches Verhalten, das besonders in der Krise hervortritt. Es ist typisch, dass wir Menschen uns helfen. Gott sei Dank!    

Allerdings wird diese Krise noch andauern und unser Miteinander vor weitere neue Herausforderungen stellen. Ich merke wie sehr es mir fehlt, einfach mal rauszugehen zum Konzert, ins Restaurant oder auch einfach in den Gottesdienst. Urlaub und einfach wegfahren wird eine ganze Zeit lang nicht möglich sein. Das, was am Leben in der Stadt auch attraktiv ist, sich in der Anonymität der Großstadt zu bewegen, ist weniger möglich. Viele sitzen gleichzeitig auf dem Balkon, da telefoniert einer, so dass alle das Mithören, die andere raucht, noch einer übt Trompete … Die Familie im dritten Stock hat sich ein Trampolin angeschafft, um den Bewegungsmangel zu kompensieren.

Ich wünsche uns sehr, dass wir trotzdem weiter zusammenrücken. Und dass wir weiter merken, dass unsere Entscheidung, was und wo ich etwas kaufe, einen Einfluss auf meine Nachbarschaft hat. Ich will auch in Zukunft zu meinem lokalen Händler und ins Restaurant an der Ecke und auf den Wochenmarkt, will bald wieder im Lindeneck oder in der Kassette ein Bierchen trinken.

Wie wäre das, wenn wir diese Solidarität und die Verantwortungsbereitschaft, all das was wir jetzt tun, bewusst und auch intuitiv, beibehalten? Wir machen die Welt besser.

Ja, unsere Mütter und Väter im Glauben haben uns vorgelebt, uns ohne Ansehen der Person für andere einzusetzen. Ich bin überzeugt, dass darin auch eine Chance für uns liegt: Menschen werden für das Gottvertrauen, den Glauben nicht nur durch kreative Predigten und aufwendig gestaltete Gottesdienste angesprochen und begeistert, sondern auch, wenn sie selbstverständlich hereingenommen werden in ein Netz lebendiger Beziehungen, die von Nächsten- und Gottesliebe geprägt sind. Ein tragfähiges Netz, das auch in Zeiten der Pandemie Isolation und Einsamkeit und Not entgegenwirkt. Global denken und lokal handeln, miteinander Salz der Erde sein. Salz, das würzt und das Leben für alle besser macht und in Wunden beißt und brennt – und heilend wirkt.

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