Predigt für den Sonntag TRINITATIS

Predigt für den Sonntag TRINITATIS


# Aus dem Pfarrteam
Veröffentlicht von Elisabeth Schwab am Samstag, 6. Juni 2020, 18:15 Uhr
© Andersen

Von Elisabeth Schwab.  

Liebe Leserin, lieber Leser!

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. Der eine Gott in drei Personen. Drei in einem – wie soll das gehen?

Am Sonntag Trinitatis feiern wir Christen das Fest der Dreieinigkeit Gottes – einer theologischen Idee, die schwierig und schwer verständlich ist und die doch viel über das Wesen Gottes aussagt.

Gott ist anders. Gott ist umfassender, als ein Mensch begreifen kann.  

Aber er lässt sich auf eine Geschichte mit den Menschen ein und offenbart ihnen mit der Zeit immer mehr von sich: Als Vater erwählt sich Gott ein Volk, als Sohn kommt er allen Menschen zum Heil. Schließlich bezieht Gott in jedem einzelnen Wohnung: als Begeisterung, als Tröster und als Liebeskraft. Gott ist reine Beziehung. Niemand ist von seiner Gegenwart ausgeschlossen. Gott kann und will nicht für sich sein.

Soweit so richtig. Aber wie merke ich das, dass Gott an mir wirkt. Wie merke, dass er mir wirklich begegnet?

Mir hilft da der vorgesehene Predigttext aus 4. Mose 6,22-27

Der Herr redete mit Mose und sprach:

Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der Herr segne dich und behüte dich;

der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig;

der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

 

„Lass mir noch einen Segen da, bevor du gehst!“

Dass ein schwerkranker, wirklich säkularer Zeitgenosse mich um diesen Gefallen bitten würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich war überrascht.

Natürlich ist mir klar: Nichts können wir so ungefragt weitergeben, mit nichts anderem bleiben wir Kirchenmenschen so gefragt wie mit dem Segen. Segen weiter zu geben ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

Konfirmationen, „Einsegnungen“ oder auch der Segen für die Hochzeit sind sehr beliebt. Im Segen findet jeder Gottesdienst zu seinem Höhepunkt.

Ich habe den Segen zwar schon immer als Zusage des zum Leben Notwendigen verstanden, eine Art Schutzschirm, in religiöser Terminologie zur Sprache gebracht. Aber ich habe mittlerweile verstanden oder auch eine Ahnung davon bekommen, dass Segen viel mehr ist:  ein Geheimnis und eine klare Aussage in einem.

Es geht um eine wirksame Beziehung.

Dass im Segen Gottes Name auf Menschen gelegt wird, ist ein Bild, das heute, vor allem aus digitalen Bezügen, von Neuem verständlich wird. Die Erkennungszeichen, also Logos der großen Player im Social-Media-Bereich finden sich auf Internetseiten wie auf Plakaten.

In anderen Zusammenhängen auch das Logos der Stadt Düsseldorf, unserer Landeskirche, des Kirchenkreises, unserer Emmaus-Kirchengemeinden oder der Diakonie Düsseldorf.

Wenn ein solches Logo auf einem Flyer erscheint, dann heißt das, dass sie ihren Namen über eine Veranstaltung oder über ein Projekt legen. So machen sie öffentlich, dass sie hinter dem stehen, worum es geht – sei es ideell oder durch materielle Unterstützung (Und wenn es schief geht, müssen sie sich der Kritik stellen, gar die Haftung übernehmen oder mit der Beschädigung ihres guten Rufes rechnen).

Wenn ich gesegnet werde, also Gott seinen Namen auf mich legt, dann bringt er zum Ausdruck: Er steht bedingungslos hinter mir. Mehr noch: Er steht dafür ein, dass mein Leben relevant ist: ein gelingendes und wertvolles – und sei’s gegen allen Augenschein.  Nicht der messbare Erfolg ist das Wirkungskriterium des Segens, sondern dass ich mich als gehalten, ja behütet erlebe, selbst da, wo der Kurs meiner Lebensaktien unter Druck gerät.

Die Vielfalt, in der Gottes Segen nach außen wirkt und mich trifft, spiegelt, welche Lebendigkeit Gott – dreifaltig und vielfältig – in sich selber trägt. Er bleibt in Beziehung.

Wie gut, dass dieser Gott seinen Namen ein ums andere Mal auf mich legt.

Kommentare

Denise Grawe
Liebe Elisabeth,
danke für die schöne Predigt, sie hat mich berührt.
Viele Grüße
Denise